Familienfotos gehören irgendwie zu jeder Hochzeit dazu. Manche freuen sich drauf. Andere bekommen schon beim Gedanken daran leichte Schnappatmung: „Wie kriegen wir bloß alle zusammen?“, „Und was ist mit den geschiedenen Eltern?“ oder „Opa hört nix mehr (außer wenn jemand ‚Kuchen‘ sagt), die Kinder rennen weg und Onkel Jürgen ist wahrscheinlich schon an der Theke.“
Welcome to every Hochzeit ever. Und trotzdem: Keine Panik. Das klingt meistens nach mehr Drama, als es am Ende ist. Mit einem kleinen Plan läuft die Nummer erstaunlich entspannt. Ich verrate euch, wie wir das gemeinsam hinbiegen.
Wer darf auf den Familienfotos zur Hochzeit nicht fehlen?
Es gibt keine offizielle Liste. Jede Familie sieht anders aus und das ist auch gut so.
Trotzdem gibt es ein paar Menschen, bei denen ihr euch später vermutlich ärgern würdet, wenn kein gemeinsames Bild entstanden ist. Und die euch das niemals verzeihen würden!
Ach ja… und macht nicht den Fehler zu denken: „Das holen wir später noch nach.“ Später ist auf Hochzeiten ein ziemlich unzuverlässiger Typ.
Eltern und Geschwister
Klingt selbstverständlich. Ist es manchmal gar nicht. Denn am Hochzeitstag passiert so viel gleichzeitig, dass man plötzlich feststellt: „Moment mal… wir haben gar kein Bild nur mit meiner Schwester.“ Deshalb planen wir solche Kombinationen am besten gleich ein.
Erst beide Familien zusammen. Dann jede Familie einzeln. Dann Geschwister. Und zum Schluss vielleicht noch die verrückte Cousinen-Clique, die seit zwanzig Jahren jede Familienfeier sprengt.
Großeltern
Wenn Oma oder Opa dabei sind, bekommen sie bei mir immer Priorität. Diese Bilder altern übrigens ganz anders als alle anderen. Das merkt man oft erst Jahre später. Und glaubt mir: Niemand sagt später: „Ach, hätten wir mal weniger Fotos mit Oma gemacht.“
Wahlfamilie gehört genauso dazu
Familie besteht längst nicht immer nur aus Menschen, die denselben Nachnamen tragen. Vielleicht hat euch eure beste Freundin durch die schwierigsten Jahre begleitet. Möglicherweise ist euer Trauzeuge längst wie ein Bruder.
Unter Umständen gibt es Patchwork, Bonuseltern oder Menschen, ohne die sich eure Geschichte einfach nicht vollständig erzählen lässt. Die gehören selbstverständlich bei eurer Hochzeit mit auf die Familienfotos.
Brainstorming: Welche Gruppenfotos wollt Ihr von eurer Hochzeit?
Hier kommt mein wahrscheinlich wichtigster Tipp: Denkt nicht in Familienkonstellationen. Denkt in Erinnerungen. Denkt an die Menschen, mit denen ihr wirklich gelebtes Leben teilt.
Wer sind die Leute, mit denen ihr regelmäßig sonntags frühstückt? Wer kennt eure peinlichsten Geschichten? Wer hat euch nachts um drei abgeholt, als euer Auto liegen geblieben ist? Genau solche Menschen gehören aufs Bild.
Generationenfotos sind auch immer eine wertvolle Erinnerung.
Vier Generationen auf einem Bild? Ich liebe sowas. Und meistens dauert’s genau dreißig Sekunden, bis irgendwer einen Spruch bringt, Opa loslacht und der Urenkel lieber an Omas Kette zieht, als in die Kamera zu schauen. Die Hälfte schaut in die Kamera. Die andere Hälfte guckt zum Hund. I love it.
Wie? Wann? Wo? Ideen für entspannte Gruppenfotos
Wie?
Ich habe nur eine kleine Bitte: Schaut nicht permanent in meine Kamera. Klingt jetzt sicher erstmal komisch, wenn die Fotografin das sagt. Wenn ich merke, dass ihr miteinander redet, euch anlacht oder euch gegenseitig ein bisschen veräppelt, entstehen viel lebendigere Familienfotos als beim klassischen „Alle mal Cheese.“ Aber sogar das kriegen wir hin. Ein, zwei klassische Bilder für Oma gehören schließlich dazu.
Wann?
In vielen Fällen planen wir die Gruppenbilder direkt nach der Trauung oder unmittelbar nach dem Sektempfang. Da sind alle noch zusammen und noch ist niemand verschwunden, weil irgendwo gerade die Currywurst freigegeben wurde.
Außerdem dauert das Ganze viel weniger lang, wenn wir vorher wissen, welche Konstellationen ihr euch wünscht. Ein geschickter, grober Ablaufplan spart euch locker zwanzig Minuten Sucherei.
Wo?
Nicht unbedingt vor der schicksten Wand. Viel wichtiger ist Licht. Ein großer Baum kann schön sein, ein ruhiger Innenhof, eine Wiese oder einfach ein hübscher Platz, an dem niemand ständig durchs Bild läuft.
Wenn wir in Koblenz, an der Mosel oder irgendwo im Westerwald unterwegs sind, finde ich oft innerhalb von fünf Minuten eine Ecke, die richtig gut funktioniert. Ich laufe sowieso ständig mit Fotografenblick durch die Gegend. Meine Freunde kennen das schon. Während andere über das Buffet reden, bleibe ich plötzlich vor einer alten Backsteinmauer stehen und denke: „Boah… hier ist’s super.“
Checkliste: So bereitet ihr eure Hochzeitsfotos optimal vor
Keine Sorge, ihr braucht keine farbcodierte Excel-Tabelle mit Familien-Stammbaum. Ein Zettel mit den wichtigsten Gruppen reicht völlig. Schreibt einfach alle gewünschten Gruppen auf. Ganz locker vorher auf dem Sofa, bei einer Tasse Kaffee oder einem Bier.
Ein kleiner Tipp: Bestimmt zu eurer Hochzeit einen Beauftragten für die Familienfotos. Am besten ist das eine Person, die alle kennt. Gebt dieser Person eure Liste. Während sich eine Gruppe fürs Foto zusammenkuschelt, kann sie schon den nächsten Schwung Menschen einsammeln. Ein Gamechanger. Dann muss später niemand quer über die Wiese brüllen: „Hat jemand die Schwester vom Bräutigam gesehen?“, während drei Leute gleichzeitig in komplett unterschiedliche Richtungen zeigen.
Und noch eine Sache: Plant lieber etwas Luft ein. Kinder müssen nochmal aufs Klo, der Opa möchte kurz sitzen, irgendwer hat gerade sein Sakko vergessen…
Deswegen planen wir lieber ein paar Minuten Puffer ein, als alle durch den Tag zu scheuchen.
5 Tipps für authentische Hochzeitsfotos mit der Familie
Und noch ein paar Tipps für euch:
- Redet ruhig miteinander: Niemand muss geschniegelt nebeneinanderstehen und dreißig Sekunden lang bewegungslos lächeln. Unterhaltet euch, schaut euch an, lacht, seid einfach ihr selbst.
- Kinder dürfen Kinder sein: Bitte lasst sie herumalbern. Wenn ein Kind kurz Grimassen schneidet oder lieber einen Käfer beobachtet als in meine Kamera schaut, ist das völlig okay.
- Niemand muss perfekt aussehen: Ich verspreche euch, in zwanzig Jahren interessiert es niemanden mehr, ob eure Krawatte leicht schiefhing oder irgendwo eine Haarsträhne verrutscht war. Was euch berühren wird, sind die Gesichter der lieben Menschen.
- Kleine Gruppen funktionieren oft am besten: Klar, große Gruppenbilder gehören bei einer Hochzeit dazu. Viele Lieblingsbilder entstehen allerdings zwischendrin. Fünf Menschen, eine Umarmung, ein blöder Spruch, ein ehrliches Lachen. That’s the good stuff.
- Vergesst den Perfektionismus: Keine Hochzeit läuft eins zu eins nach Plan. Wenn plötzlich jemand blinzelt, der Wind die Frisur zerlegt oder der kleine Neffe lieber rückwärts durchs Bild rennt, ist das eben so. Gerade deshalb fühlt sich das Bild später genau nach eurem Tag an oder liefert euch Anekdoten zum Lachen.
Und noch eine Sache: Lasst uns vorher mal quatschen. Vor der Hochzeit sollten wir uns kennenlernen. Damit ihr euch wohlfühlt und wisst, dass es passt.
Sprechen wir gemeinsam durch, welche Familienfotos euch wichtig sind und wie wir den Ablauf möglichst entspannt gestalten. So müsst ihr am Hochzeitstag nicht ständig überlegen, wer jetzt eigentlich noch fehlt.
Wenn ihr noch mitten in der Planung steckt, schaut euch gerne mal meine Seiten rund um die Hochzeitsreportagen, After-Wedding-Shootings oder Lovestories an. Viele Ideen lassen sich wunderbar miteinander kombinieren und machen euren Tag noch entspannter.
Wir setzen uns erstmal zusammen, trinken einen Kaffee, ein Bier, oder irgendwas dazwischen. Ihr erzählt mir von euren Leuten, ich erzähle euch, wie ich arbeite, und dann schauen wir einfach, ob’s menschlich passt. Ganz ohne Verkaufsnummer.
FAQ – Was Paare häufig fragen
Wie viele Familienfotos sollten wir einplanen?
Lieber Qualität als Quantität. Zehn bis fünfzehn gut überlegte Konstellationen reichen den meisten Paaren völlig aus.
Wie lange dauern Familienfotos?
Je nach Gruppengröße meistens zwischen 20 und 40 Minuten. Mit einer guten Vorbereitung geht das oft erstaunlich fix.
Was machen wir bei Regen?
Keine Panik. Überdachte Bereiche, Scheunen, Innenhöfe oder helle Räume funktionieren oft genauso gut. Ein bisschen Regen hat noch keine schöne Hochzeit ruiniert.
Müssen wirklich alle in die Kamera schauen?
Überhaupt nicht. In der Regel entstehen auf einer Hochzeit die schönsten Familienfotos genau in dem Augenblick, in dem niemand an die Kamera denkt.

